Konvent der Fachschaften
print

Links und Funktionen

Navigationspfad


Inhaltsbereich

Protestierende Studierende in Österreich

Seit Donnerstag, dem 22.10., besetzen mehr als 1000 Studierende allein in Wien ihre Universität. Sie verleihen so ihren Forderungen für eine Neuausrichtung der Hochschulpolitik Österreichs deutlichen Nachdruck und machen gleichzeitig ihrer Verärgerung über die Ignoranz ihres Bildungsministeriums gegenüber den angeprangerten Missständen Luft.

Ebenso wie in Deutschland leidet auch in Österreich das öffentliche Bildungssystem unter der finanziellen Daumenschraube der Politik, deren liebste Beschäftigung geworden ist, Hochschuletats zu kürzen bei gleichzeitig steigender Studierendenzahl. Dass eine solche Entwicklung Gift ist für ein nachhaltiges und sozial verträgliches Bildungssystem, ist offensichtlich. Kritik und Verbesserungsvorschlägen gegenüber zeigt sich die Politik aber verständnislos, diffamiert die demokratisch organisierten Studierenden lieber als linke Chaoten und entledigt sich so der längst notwendigen Debatte über das knirschende Bildungssystem.

In Österreich geht diese Rechnung seit letztem Donnerstag nicht mehr auf. Die Studierenden haben sich zusammengeschlossen, sich innerhalb kürzester Zeit eine funktionierende Struktur gegeben und sie haben das Audimax der Universität Wien besetzt. Ihre Forderungen – unter anderem nach einem freien Hochschulzugang für alle Studierenden und einer rechtlich verankerten Demokratisierung der Universitäten – jetzt werden sie gehört. Österreich diskutiert wieder über sein Bildungssystem und fragt sich, was es von Bildungspolitikern halten soll, die selbstgefällig die demokratisch organisierten Studierenden als politische Aktivisten diffamieren, die schon wieder zur Vernunft kommen werden. Sie hoffen so, sich der längst notwendigen Auseinandersetzungen mit den konstruktiven Forderungen geräuschlos entledigen zu können.

Wenn sie sich da mal nicht irren. Österreich, ebenso wie Deutschland, kann sich eine Fortsetzung der bisherigen Bildungspolitik nicht leisten. Eine Bildungspolitik, für die Bildung nicht mehr wichtig ist – die Ökonomisierung der Hochschulen und die Zugangsbeschränkungen sind die direkten Folgen. Dass die Studierenden die ersten sind, die diese Zustände anprangern, ist verständlich. Sie sind die Leidtragenden der Haushaltskürzungen und stehen, im Gegensatz zu ihren Professoren, nicht unter dem permanenten Zwang, sich mit dem Ministerium gut zu stellen, um zu retten, was noch zu retten ist. Die Studierenden kommen jetzt ihrer gesellschaftlichen Aufgabe nach, neue Lösungen für alte Probleme anzubieten. Eine Politik, die mit arroganter Ignoranz diesen Dialog ausschlägt wird aufpassen müssen, nicht unter die Räder zu kommen. Wissenschaftsminister Johannes Hahn jedenfalls ist bereits nach Brüssel versetzt worden. Vielleicht kommt ja dort zur Vernunft.

Als Studierendenvertreter sympathisieren wir mit den Zielen und friedlichen Protestmethoden der österreichischen Hochschülern. Wir sprechen den Studierenden dort unsere Solidarität aus und wünschen ihnen viel Erfolg und Durchhaltevermögen für ihren Kampf für bessere Bildung.