
1. Ökonomisierung
2. Einheit von Forschung und Lehre
3. Bildung ist keine Ware
In den letzten Jahren haben sich die deutschen Universitäten immer mehr zu Unternehmen entwickelt. Die Lehrstühle müssen einen großen Teil des Geldes, den sie zur Forschung brauchen, über Sponsorengelder in der Industrie einwerben. Die Exzellenzinitiative hat dazu geführt, dass sich Professoren die Frage gefallen lassen müssen, ob ihre Forschungsgebiete ausreichend dazu beitragen, dass die Universität auch in Zukunft als exzellent gilt und viel Geld aus so genannten Drittmitteln einwerben kann. Und die Studierenden müssen, wie in einem guten Unternehmen so üblich, für ihr Studium bezahlen. Studiengebühren führen somit zu einer Zunahme des Wettbewerbs innerhalb der Universitäten um verfügbare Gelder.
1. Ökonomisierung
Diese Ökonomisierung ist das Ende der 'Freiheit von Forschung und Lehre', dem Grundsatz der Universität. Denn sobald ein Lehrstuhl sich fragen muss, ob er für sein Forschungsvorhaben auch das notwendige Geld bekommt, wird ihm die Entscheidung über seine wissenschaftliche Ausrichtung genommen. Kleine und 'exotische' Studiengänge sind also besonders von Unterfinanzierung bedroht, denn sie werben kaum Geld von außen ein und sind deshalb für die Hochschule nicht profitabel. Genau das passiert momentan an unseren Universitäten. Kleine Lehrstühle werden zugunsten von großen Studiengängen geschlossen. Die Vielfalt der Studiengänge der Universitäten, eigentlich ihre größte Ressource, geht so verloren.
2. Einheit von Forschung und Lehre
Im Sinne dieser Ökonomisierung wird auch die Einheit von Forschung und Lehre, Grundpfeiler der akademischen Bildung an der Universität, langsam aufgelöst. Forschung bringt Geld, Lehre kostet Geld. Deswegen investieren Politik und Hochschulen viel in die Forschung und stellen besonders gute Professoren von der Lehre frei. Im Gegenzug werden Dozenten eingestellt, die nur noch für die Lehre zuständig sind. Der Kontakt zwischen Studierenden und Forschern geht so verloren. Die Lehre, welche vor allem für die Studierenden den wichtigsten Teil des Studiums ausmacht, wird zum Stiefkind der Hochschulpolitik, weil sie kein Geld einbringt, sondern Geld kostet. Die Studierenden sollen ihre Lehre mit Studiengebühren selbst finanzieren, wenn der Staat Geld ausgibt, dann lieber für die Forschung. Damit die Studierenden sich auf diese Sauerei einlassen, macht man sie zu Kunden am Unternehmen Hochschule und rechnet ihnen Bildung in Humankapital um. Was schon Kapital heißt, das muss man wohl auch mit Geld bezahlen.
3. Bildung ist keine Ware
Bildung darf niemals wie eine Ware behandelt werden, denn Bildung ist keine Ware! Bildung ist für alle da, sie ist ein Menschenrecht. Bildung ist ein gesellschaftliches Gut, das vermehrt wird, indem es verbreitet wird, nicht indem man den Zugang zu Bildung einschränkt und das Angebot an Bildungsmöglichkeiten reduziert.
Hochschulen sind keine Unternehmen, sie sind Einrichtungen unserer Gesellschaft, die Fortschritt und Innovation entwickeln und Fachkräfte ausbilden, die dringend benötigt werden. Hochschulen können nur gut funktionieren, wenn sie die fähigsten Studenten bekommen, und nicht die reichsten, wenn sie viele verschiedene Ideen zusammenbringen können, und nicht nur die profitabelsten und wenn sie ihre Studenten direkt mit ihren besten Forschern zusammen arbeiten lässt. Nur so entstehen neue Ideen, nur so können Studenten eine gute Hochschulausbildung genießen und nur so können Hochschulen ihrer gesellschaftlichen Funktion nachkommen.
Das ist alles nicht neu, jeden Tag hören wir vom Akademikermangel, davon, dass unsere einzige Chance unser Expertenwissen ist und dass wir eine Wissensgesellschaft werden müssen. Bildung ist wichtig, deshalb ist sie Sache des Staates. Studiengebühren sind eine Maßnahme des Staates, sich aus seiner Verantwortung zu stehlen. Die Folgen sind abzusehen und gravierend, nur liegen sie vielleicht nicht mehr in dieser Legislaturperiode.
Schafft die Studiengebühren ab und verhindert, dass Bildung eine Sache des Geldbeutels wird.
Quelle: www.studiengebuehrenbayern.de